#zuversicht
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#zuversichtsgespräch mit Benno Elbs

Julia Wiesenegger
22. Dezember 2025 08:00 Uhr

Im #zuversichtsgespräch mit PRISMA Vorstand Bernhard Ölz teilt Bischof Benno Elbs seine Überzeugung: Zuversicht ist eine bewusste Entscheidung, Institutionen sind Anker kollektiver Hoffnung und junge Menschen tragen die Lösungskompetenz für die Zukunft in sich. Der Bischof der Diözese Feldkirch verbindet als ausgebildeter Psychotherapeut theologische Tiefe mit psychologischem Verständnis und ist durch seine digitale wie persönliche Präsenz ein unkonventioneller Brückenbauer zwischen Generationen und Lebenswelten.

Bei uns in der PRISMA Unternehmensgruppe ist Zuversicht ein zentraler Wert. Unser Anspruch ist es, konstruktiv in die Zukunft zu blicken und aktiv positive Impulse zu setzen. Was inspiriert dich persönlich, dass man diese Entwicklungen nicht nur bewältigen, sondern aktiv und positiv mitgestalten kann?

Zuversicht ist eine Entscheidung. Der Philosoph Robert Spaemann hat es so formuliert: „Wir kommen, wohin wir schauen, dahinein werden wir verwandelt. Wer sich auf Probleme fixiert, bekommt mit der Zeit ein Problem. Wer sich auf das Gute konzentriert, bei dem entstehen gute Dinge.“ Viktor Frankl, bei dem ich die Ausbildung gemacht habe, sagte: „Nicht wir stellen dem Leben die Fragen, sondern das Leben stellt uns die Fragen.“ Ich kann die Herausforderungen, die auf mich zukommen, nicht als Problem sehen, sondern als eine Frage, die das Leben mir jetzt stellt. Das ist eine Grundhaltung, die mich zuversichtlich macht.

Du sprichst von bewussten Entscheidungen. Welche weiteren Quellen für Zuversicht siehst du im täglichen Wirken?

Ein wichtiger Punkt ist das Im-Heute-Leben, also die Fähigkeit, im gegenwärtigen Augenblick präsent zu sein. Das Wort „Heute" kommt über 200-mal in der Bibel vor. Dieser Augenblick ist meine Chance. Wenn ich alle Aufgaben des Tages auf einmal sehe, kann mich das überfordern. Aber wenn ich die Aufmerksamkeit im Augenblick habe, hilft mir das zuversichtlich durch den Tag zu gehen.

Wie unterscheidet sich Hoffnung von Zuversicht?

Zuversicht ist das psychologisch-säkulare Wort, Hoffnung ist die theologische Kategorie. Hoffnung gibt einem Menschen die Kraft, sich zu engagieren, im Vertrauen darauf, dass es eine Zukunft gibt, auch wenn die Situation schwierig ist. Was mir hilft: Im theologischen Bereich ist es das Gebet. Im säkularen Bereich würde ich sagen: die Unterbrechung. Johann Baptist Metz hat gesagt: Unterbrechung ist die kürzeste Definition von Religion. Ich mache einen Punkt und orientiere mich am großen Ganzen. Das meinte auch Viktor Frankl mit Selbsttranszendenz: Wenn ich mich in einen großen Kontext stelle, dann kann ich fragen, welchen Sinn habe ich im Leben und was ist der Sinn des Lebens?

Kannst du diese Unterscheidung näher erklären?

Sinn im Leben entsteht für mich dann, wenn ich morgens aufstehe und weiß, wofür ich Verantwortung trage und welcher Mission ich mich widme. Das andere ist die Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Vom ganzen Leben. Da kommen die großen Fragen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? Für Zuversicht ist es wichtig, dass man den Sinn im Leben hat, dass man die einzelnen Dinge, die man tut, als sinnvoll erachtet. Bei dir ist das schon eher eine Mission als Unternehmer, für lebendige Orte, für Bildung und für die Weiterentwicklung der Gesellschaft. Und das wäre dann schon der Sinn des Lebens und der Sinn im Leben.

Wenn wir über Zukunft sprechen: Wie siehst du die junge Generation? Hast du Hoffnung, dass sie die Zukunft gut gestalten?

Ich bin da sehr zuversichtlich. Es gibt natürlich Jugendliche, die Schwierigkeiten haben und die von der Geschwindigkeit in der Gesellschaft zurückgelassen werden. Grundsätzlich erlebe ich die Jungen als extrem innovativ, intelligent, freundlich und entgegenkommend. Junge Leute haben ganz andere Lösungskompetenzen für viele Probleme wie die Umweltfrage oder die Friedensthematik. Das macht mir Hoffnung. Viele junge Menschen haben eine andere Lebenseinstellung. Und diese Lebenseinstellung rettet vielleicht den Planeten. Die Frage ist, ob Leistung das oberste Prinzip sein muss. Das Wachstum ist nicht unendlich möglich. Es gibt die Grenzen des Wachstums. 

Du sprichst einen wichtigen Punkt an. Wir bei der PRISMA Unternehmensgruppe haben bewusst entschieden, in die Tiefe zu gehen statt in die Breite. Mehr Funktionen für die Menschen an unseren Standorten – Kinderbetreuung, Veranstaltungen, Plattformen. Es geht um Orte, soziale Nachhaltigkeit, vor allem um Menschen und ihre Möglichkeiten.

Das ist ein wichtiger Gedanke für Zuversicht: zuverlässige Institutionen. Es gibt zwei Ebenen von Zuversicht: die individuelle, die ich beeinflussen kann, und die institutionelle. Wenn Menschen sich darauf verlassen können, dass die Politik funktioniert, dass die Spitäler funktionieren, dass die Sozialpartner funktionieren, das gibt Sicherheit. Diese Institutionen sind Anker der Zuversicht. Und natürlich gehören Unternehmen auch dazu.

Ein weiterer Punkt für mich ist Zuversicht, die durch Partnerschaften entsteht. Durch gelebte Partnerschaften entstehen Initiativen und Projekte, an die man vorher nie gedacht hätte. Beispielsweise haben wir in Lech mit der Gemeinde und der Raiffeisenbank betreutes Wohnen geschaffen, damit Menschen in ihrer Heimat bleiben können.

Ich habe als Bischof einen Bischofsspruch gewählt, Psalm 37,5: „Befiehl dem Herrn deinen Weg und vertraue ihm, er wird es fügen.“  Ich frage alte Leute im Altersheim oft: „Kannst du mir einen Satz sagen, den du mir am Ende deines Lebens weitergeben möchtest?“ Oft höre ich: „Alles hat sich gefügt.“ Das ist der unberechenbare Faktor. Als Unternehmer hat man Ziele, aber die Entwicklungen drumherum sind so komplex, dass kann man gar nicht bewusst beeinflussen. Als Theologe sage ich da: Es gibt eine Fügung. Der Naturwissenschaftler und Theologe Pierre Teilhard de Chardin hat die Theorie vertreten, dass die Evolution einen Zielpunkt hat. Alles entwickelt sich zu einem Ziel. Theologisch gesehen: Jesus Christus sagt, ich bin das Alpha und das Omega – der Anfang und das Ende. Somit ist die Fragestellung bzw. der Ansatz: Werde ich geschoben oder gezogen? Freud und Adler sagen: Die Motive schieben mich. Frankl sagt: Es gibt eine Sinnvision, die mich zieht.

Danke für deine wertvolle Sichtweise, die wirklich zum Denken anregt. Jetzt gerne nochmal ein ganz anderes Thema: Künstliche Intelligenz (KI). Wie siehst du das?

Interessanterweise hat sich der Papst sehr früh dem Thema gewidmet. Er hat gesagt, dass KI wahrscheinlich die gestaltende Entität für die Zukunft ist. Das glaube ich auch. KI als Hilfsmittel im Bereich der Medizin, der Naturwissenschaft, der Wirtschaft. Aber ich bin überzeugt, dass KI nicht die Menschlichkeit, die Nähe, die Empathie oder Liebe ersetzen kann. Das entsteht nur im mitmenschlichen Kontakt. In der Psychotherapie zeigt sich: Der wesentliche Heilungsfaktor ist die Beziehung zwischen Menschen. KI kann Methode sein, aber nicht das Innerste ersetzen, was der Mensch braucht. Eine große Gefahr sehe ich allerdings in der Kriegsführung. Stephen Hawking hat gesagt: Die Zukunftskategorie, damit die Welt besteht, ist die Empathie. Ohne Empathie keine Zukunft. Wenn die Kriegsführung durch KI gesteuert wird, hat sie keine Emotionen mehr. Da gibt es keine Gnade, keine Vergebung, sondern nur Kalkül. Das ist eine weitere Brutalisierung.

Was würdest du mitgeben in die Weihnachtsfeiertage und ins Jahr 2026?

Die zentrale Botschaft von Weihnachten ist Frieden. Ehre sei Gott in der Höhe, Friede den Menschen auf Erden. Weihnachten ist ein Friedensfest mit einer Friedensdynamik. Kein Mensch kann gut leben ohne Frieden. Das Zweite: Gott wählt den Weg eines Kindes. Ein Kinderlachen, ein Kinderblick erobert jeden Menschen. Die Güte des Herzens ist die Kraft, die die Welt verändert. Das ist die Botschaft von Weihnachten. Das Dritte: Es beginnt so klein. Unscheinbar, in einem Stall, an einem unbekannten Ort. Große Entwicklungen beginnen oft so. Ich denke an Friedensbewegungen, Gandhi, Martin Luther King – eine Friedensentscheidung im Herzen eines Menschen, die auf fruchtbaren Boden fällt und sich entwickelt. Weihnachten ist die Hoffnung, dass aus kleinen positiven Impulsen etwas Großes Positives wächst. Das ist die weihnachtliche Hoffnung. Darum ist es für mich das Fest der Hoffnung und der Zuversicht.