Im Gespräch: Stadtentwicklung Salzburg mit Anna Schiester
Im Gespräch mit PRISMA Vorstand Bernhard Ölz sprechen Planungsstadträtin Anna Schiester und PRISMA Salzburg Geschäftsführer Jakob Bonomo über das, was zukunftsfähige Stadtentwicklung ausmacht: Dialog auf Augenhöhe, mutige Visionen und die Überzeugung, dass dabei immer eine ganze Stadt mitgedacht wird.
Anna Schiester, Vorsitzende der Bürgerliste – Die Grünen in der Stadt Salzburg, ist Stadträtin für Stadtplanung, Umwelt, Verkehr und Klimaschutz in der Stadt Salzburg. Zudem ist sie Vorsitzende des Vereins STADTWERK in Salzburg. Mit ihrer Erfahrung aus der Salzburger Stadtregierung und dem Salzburger Gemeinderat widmet sie sich aktuell Projekten wie beispielsweise dem neuen Räumlichen Entwicklungskonzept (REK), dem Schallmoos-Masterplan sowie der Entwicklung eines klimaneutralen Stadtteils in Maxglan und dem Mobilitätsplan (SUMP).
Jakob Bonomo:
In der Zusammenarbeit mit der Stadtplanung haben wir erlebt, wie wichtig Dialog ist. Sie kennt die Grundlagen, die bestehenden Regeln und Potenziale sehr genau. Gleichzeitig hat die Stadt immer wieder aufgezeigt, welche Möglichkeiten daraus entstehen können. Daraus ist eine sehr produktive und wertschätzende Zusammenarbeit entstanden.
Anna Schiester:
Ich habe den Eindruck, dass sich in den letzten Jahren eine größere Offenheit entwickelt hat, Themen stärker gemeinsam anzugehen. Das gilt auf politischer Ebene genauso wie innerhalb der Verwaltung. Viele Mitarbeitende leben selbst in der Stadt und bringen dadurch auch eine eigene Perspektive ein. Sie wollen die Stadt nicht nur verwalten, sondern aktiv mitgestalten.
Jakob Bonomo:
Ein gutes Beispiel ist aus meiner Sicht die Durchmischung von Nutzungen. Die entsteht nicht von selbst, sondern muss bewusst geplant werden. Der Entwicklungskorridor hier zeigt das gut. Es ist viel Wohnbau entstanden, auch geförderter Wohnbau. Gleichzeitig hat man erkannt, dass es zusätzliche Bausteine braucht, damit ein Gebiet wirklich funktioniert. Die Frage ist, wie wir dieses Prinzip künftig auf andere Gebiete übertragen, etwa auf Schallmoos oder auf die Weiterentwicklung des Andräviertels. Der Druck im Wohnbau ist groß, aber einfach Tausende Wohnungen zu bauen reicht nicht aus.
Anna Schiester:
Genau das ist auch mein Zugang. Ich sage immer, ich will nicht nur Wohnungen bauen, sondern eine Stadt bauen.
Wohnen ist eine Riesenherausforderung in Salzburg und das muss man gemeinsam denken mit Arbeitsplätzen, Nahversorgung, öffentlichen Räumen und kurzen Wegen.
Es kann ja nicht sein, dass Menschen für alles, was sie brauchen, mit dem Auto irgendwohin fahren müssen. Gerade das Mischen von Arbeiten, Gewerbe und Wohnen ist daher in Zukunft noch entscheidender. Schallmoos ist für mich ein klassisches Transformationsgebiet. Dort ist bereits viel gemischt, aber noch nicht in der Qualität, wie wir es uns heute vorstellen. Und ich sehe darin eine große Chance. Es gibt viele Arbeitsplätze, hochwertige Unternehmen und enormes Potenzial für den öffentlichen Raum, für neue Zentren und für Grünräume.
Jakob Bonomo:
In der aktuellen Diskussion wird sehr stark über Prozentzahlen gesprochen, etwa über Verhältnisse wie 80 zu 20 oder 70 zu 30 zwischen gefördertem Wohnen und anderen Nutzungen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Debatte fast zu stark auf diese eine Frage konzentriert. Entscheidend ist letztlich die Qualität eines Projekts.
Anna Schiester: Wohnen ist nun einmal zentral. Die Frage nach leistbarem und gutem Wohnraum ist eine der entscheidenden Zukunftsfragen für Salzburg. Aber gerade deshalb dürfen wir Wohnen nicht zu eng denken. Es geht nicht nur darum, möglichst viele Wohnungen zu bauen. Es geht darum, gute Wohnquartiere zu schaffen: mit kurzen Wegen, Grünräumen, sozialer Infrastruktur, Nahversorgung und guter Mobilität.
Wohnen funktioniert dann, wenn auch das Umfeld stimmt. Menschen brauchen mehr als vier Wände. Sie brauchen ein Zuhause in einem Stadtteil, der ihnen etwas zu bieten hat. Deshalb diskutiere ich auch nicht gerne ausschließlich über Zahlen oder Dichte. Beides ist wichtig, aber am Ende zählt die Qualität eines Projekts: Wie lebt man dort? Welche Nachbarschaft entsteht? Gibt es Platz für Kinder, ältere Menschen, Familien und Alleinlebende? Gibt es Räume, die Gemeinschaft möglich machen? Gute Stadtentwicklung heißt für mich: Wohnen ermöglichen – aber so, dass daraus lebendige, gemischte und zukunftsfähige Stadtteile entstehen.
Jakob Bonomo:
Zum Wohnbau in Salzburg. Ich beobachte auch in meinem persönlichen Umfeld, dass sich die Situation hinsichtlich des sogenannten „leistbaren Wohnraum“ stark verändert hat. Viele Menschen, auch mit sehr guten Einkommen, wären heute eigentlich auf geförderten Wohnraum angewiesen, dessen Errichtung wesentlich durch öffentliche Mittel – und damit durch allgemeine Steuereinnahmen – ermöglicht wird. Ohne Erbschaft ist es für viele kaum mehr möglich, Eigentum zu erwerben. Ich würde mir wünschen, dass neben den etablierten Modellen des geförderten und gemeinnützigen Wohnbaues, die Innovationskraft des freien Marktes stärker genutzt, zugelassen und auch eingefordert wird.
Anna Schiester:
Der genossenschaftliche Wohnbau ist in Österreich eigentlich ein Erfolgsmodell. In Deutschland wird man oft darum beneidet. Er schafft leistbaren Wohnraum für die breite Mitte der Gesellschaft.
Anna Schiester:
Salzburg hat in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle, etwa mit der Vertragsraumordnung. Aus Sicht der öffentlichen Hand bedeutet das, dass man sich gemeinsam etwas vereinbart. Projektentwickler bekommen neue Rahmenbedingungen oder neue Bebauungsbedingungen, und im Gegenzug gibt man der Stadt auch etwas zurück. Das kann öffentlicher Raum sein, Infrastruktur oder leistbarer Wohnraum.
Andere Städte machen das in dieser Form nicht und könnten viel davon lernen. Bei uns ist das eigentlich seit langer Zeit gelebte Praxis.
Anna Schiester:
Ein Thema, das dabei auch immer dazugehört, ist die Beteiligung. Ich halte es für selbstverständlich, dass Menschen eingebunden werden, wenn sich ihre unmittelbare Umgebung verändert. Stadtentwicklung kann nicht ohne die Menschen stattfinden, die dort leben.