ACHT ZWEI VIER – Ein Stadtbaustein, der Stadtform und Freiraum neu definiert
Im Gespräch blicken PRISMA-Vorstand Bernhard Ölz, Architekt Much Untertrifaller und PRISMA-Salzburg-Geschäftsführer Jakob Bonomo auf die Entwicklung von ACHT ZWEI VIER zurück. Sie sprechen darüber, wie aus einem komplexen Ausgangsort ein urbaner Baustein mit klarer Identität entstanden ist und welche architektonischen und unternehmerischen Haltungen diesen Prozess getragen haben.
Much Untertrifaller: Es ist natürlich ein extrem heterogener, zugleich aber auch sehr prominenter Standort. Wir befinden uns hier an einer Schnittstelle zwischen der Stadt, wo bereits zuvor größere Höhenentwicklungen stattgefunden haben, und einem eher kleinteiligen Siedlungsgefüge, also einem Einfamilienhausquartier mit entsprechend kleinen Volumina.
Das Zusammentreffen der beiden Straßen und, wie du erwähnt hast, der Verlauf der Glan haben die Situation zusätzlich komplex gemacht. Insgesamt war es ein längerer Prozess, begleitet von einem intensiven Dialog mit der Stadt und dem Gestaltungsbeirat, um die Frage: Wie hoch darf man hier überhaupt bauen?
Much Untertrifaller: Ich war der Meinung, dass der Standort durchaus ein gewisses Maß an Dichte und Höhe verträgt – und auch der Gestaltungsbeirat hat diesen Ansatz mitgetragen. Die Stadt hat das naturgemäß etwas zurückhaltender beurteilt und die Entwicklung sehr sorgfältig abgewogen. Am Ende des Prozesses ist dann das ACHT ZWEI VIER-Konzept entstanden, das im Prinzip auf alle drei Maßstäbe reagiert, die in der Umgebung vorkommen, und dabei neue Binnenräume zwischen den Baukörpern schafft. Ich denke, das ist ein ganz wesentliches Merkmal: dass der Freiraum als gestalteter Zwischenraum eine zentrale Rolle für die räumliche und atmosphärische Qualität übernimmt.
Jakob Bonomo: Zu Beginn der Entwicklung verlief ein unterirdisch verrohrter Bach, die Altglan, quer durch das Grundstück. Diese Gegebenheit erschien zunächst als unverrückbare Rahmenbedingung, an die wir das Projekt planerisch anpassen wollten. Doch rasch wurde deutlich, dass dieser Ansatz die Potenziale des Standorts einschränkte, da weder eine Tiefgarage noch Hochpunkte realisierbar waren und sich das Vorhaben dadurch auch in wirtschaftlicher Hinsicht als anspruchsvoll erwies. Aus einem früheren Entwicklungsprojekt, der Rauchmühle, brachten wir wertvolle Erfahrungen im Umgang mit vergleichbaren Situationen mit. Dort hatten wir gelernt, wie sich Bachläufe verlegen und wieder öffnen lassen. Dieses Wissen konnten wir bei ACHT ZWEI VIER gezielt anwenden. Mit der Verlegung und Freilegung der Altglan wurde dann der entscheidende Impuls gesetzt, der die heutige städtebauliche und landschaftsräumliche Qualität des Areals erst möglich machte.
Much Untertrifaller: Die Intention war natürlich, an dieser Stelle ein Zeichen zu setzen, gewissermaßen den Eintritt in die Stadt. Es ist ja das erste weithin sichtbare Gebäude, wenn man beispielsweise von der Autobahn kommt. Der Baukörper fügt sich dabei gut in die bestehenden höheren Volumen der Umgebung ein und bildet zugleich einen klaren Auftakt in Richtung Stadt. Die Formensprache, und das gilt nicht nur für den Turm, sondern auch für die beiden anderen Baukörper, reagiert auf die komplexe Straßensituation und die unterschiedlichen Blickrichtungen. Dadurch erhält das Gebäude, obwohl es gar nicht besonders hoch ist, eine gewisse Eleganz. Die abgeschliffenen Ecken lassen es schlanker und damit auch höher wirken.
Much Untertrifaller: Gut – vor allem, weil das städtebauliche Konzept im großen Maßstab genau wie angedacht aufgegangen ist. Die Freiräume beleben den Ort einerseits enorm, andererseits prägen sie ihn auch stark. Früher war das ein eher herausfordernder Ort, mit den bestehenden Volumen und dem riesigen Parkplatz dazwischen. Wenn ich am ACHT ZWEI VIER vorbeigehe oder -fahre, tue ich das heute mit wirklicher Freude.
Jakob Bonomo: Mit ACHT ZWEI VIER wurde ein mutiger „Stadtbaustein“ gesetzt, der eine Aufwertung für sein Umfeld und die Stadt Salzburg darstellt – im gestalterischen und inhaltlichen Sinn. Ich bin davon überzeugt, dass wir das auch in vielen Jahren noch so sehen werden.
Much Untertrifaller: Uns ging es darum, dass die unterschiedlich hohen Gebäude als Ensemble wirken. Durch subtile Differenzierungen zwischen den Volumen – etwa durch unterschiedliche Raster und Nutzungen – ist diese Einheit entstanden, ohne dass die Baukörper ident sind. Mit der gewählten Materialisierung ließ sich das gut umsetzen: Über verschiedene Stürze und Pfeiler konnten feine Nuancen herausgearbeitet werden, was bei verputzten Baukörpern deutlich schwieriger wäre. Diese Unterschiede erkennt man oft nicht bewusst, aber man nimmt sie unterbewusst wahr und genau das macht das Ganze lebendiger.
Much Untertrifaller: Grundsätzlich trägt Architektur immer eine hohe gesellschaftliche Verantwortung in sich, weil sie in der Öffentlichkeit steht. Sie muss Bestand haben. Ich glaube, die Voraussetzungen unserer Zeit erfordern, dass man langfristig denkt – auch über die Lebensdauer eines Gebäudes hinaus. Das wirkt sich natürlich auf das Konzept aus: Ein Bau muss so robust und flexibel sein, dass er unterschiedliche Nutzungen zulassen kann. Heute ist vielleicht eine Gesundheitseinrichtung oder Gastronomie darin, in zehn Jahren kann es etwas ganz anderes sein – und es muss trotzdem funktionieren, sowohl in der Nutzung als auch in der baulichen Ausführung. Da hat in der Architektur ein Umdenken stattgefunden: weg vom kurzfristig Maßgeschneiderten hin zu einem langfristigen, nachhaltigen Denken.