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#zuversichtsgespräch mit Christoph Boschan

Julia Wiesenegger
04. Februar 2026 08:00 Uhr

Im #zuversichtsgespräch mit PRISMA Vorstand Bernhard Ölz teilt Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, seine Überzeugung: Zuversicht entsteht durch aktives Handeln, der wertschöpfende Kern unserer Gesellschaft verdient Wertschätzung und jeder kann sich über die Börse am wirtschaftlichen Erfolg beteiligen. Boschan führt seit 2016 die traditionsreiche Wiener Börse, eine der ältesten der Welt, die 1771 von Maria Theresia gegründet wurde.

Die Wiener Börse kann auf über 250 Jahre Geschichte zurückblicken. Das ist ein beeindruckendes Zeichen von Stabilität und Nachhaltigkeit. Du hast die Börse stark geöffnet und moderner gemacht. Was bewegt dich in deiner Funktion zuversichtlich in die Zukunft zu schauen?

Ich bin genau die Generation, die nach der Privatisierung dieser ehemals teilstaatlichen Institution ins Börsengeschäft gestartet ist. Ich habe die Börse daher nie als „Kammerwesen“ erlebt, sondern als Marktinfrastruktur. Diese Privatisierung war eine echte Zeitenwende: Wettbewerb wurde möglich, Transaktionskosten sind dramatisch gesunken, die Infrastruktur wurde modernisiert, Eigenkapitalfinanzierung wurde einfacher. Das war eine Phase, in der man wirklich zuversichtlich sein konnte, weil man gesehen hat: Veränderung wirkt.

Das klingt nach Mut und nach einem Bruch mit alten Strukturen.

Absolut. Kammer- oder Monopolstrukturen haben einen eingebauten Selbsterhaltungstrieb. Das ist nicht einmal als moralische Kritik gemeint – es ist schlicht Teil der DNA solcher Systeme. Sie werden sich aus sich heraus nie selbst dem Wettbewerb öffnen. Modernisierung passiert dann meist nur, wenn politisch Verantwortliche klar erkennen: Es braucht Öffnung, Wettbewerb und echte Anreize.

Wir sind heute wieder an einem Punkt, wo klar wird: Es braucht dringend Strukturreformen.

Ja, und dafür muss man sich zuerst klar machen, wo Wohlstand entsteht. Wir brauchen Lehrer, Polizei, Verwaltung – das ist wichtig. Aber der Kern einer Gesellschaft ist Wertschöpfung: säen, ernten, produzieren, handeln, bauen, entwickeln.
Wenn man sich eine „einsame Insel“ vorstellt: Ein Staat, der nur aus Verwaltung besteht, kann nicht überleben. Erst wenn Wertschöpfung da ist, kann man verteilen, organisieren, absichern.

Da liegt ja auch ein gesellschaftliches Problem: Wertschöpfung durch Unternehmen wird nur bedingt wertgeschätzt. Wir erleben dies auch immer wieder bei unseren investitionsintensiven Quartiersentwicklungen.

Ich kenne diese Diskussion auch. Und wenn man sie zu Ende denkt, erkennt man: Der eigentliche Kern, der den Staat finanziert, ist unfassbar klein. Vielleicht 5 bis 10 Prozent. Das zeigt, wie produktiv und effizient dieser Teil ist. Aber genau dieser Teil wird gesellschaftlich oft missverstanden oder politisch überlastet.

Was sagst du jungen Leuten zu deren Berufsorientierung?

Die Tasse, aus der ihr trinkt oder eure Handys, all das hat mal jemand erfunden, gebaut, vertrieben, finanziert. Wenn die Präferenz der Jungen ein wohlhabendes Leben ist, sollten sie alle Berufsziele darauf prüfen, wie nah sie am Kern der Wertschöpfung sind.

Wie siehst du Genossenschaften als Beteiligungsmodell im Vergleich zur Börse?

Ich habe hohe Sympathie für alle Modelle, die Eigentum und Verantwortung stärken. Die Börse wird dabei oft falsch verstanden: Sie ist im Grunde eines der egalitärsten Beteiligungsmodelle. Jeder kann zu gleichen Bedingungen Eigentum erwerben und am Erfolg teilhaben. Beteiligung ist nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich wirksam: Wer beteiligt ist, denkt anders über Unternehmen, Risiko und Entwicklung.

Was sind aus deiner Sicht Argumente für Aktien / Unternehmensbeteiligungen?

Aktien geben direkten Zugang zum produktiven Kern. Langfristig sind Eigenkapitalrenditen höher als bei Immobilien oder Anleihen, weil alles andere nur abgeleitet ist.

Wie siehst du die aktuelle politische Entwicklung z. B. Eingriffe in den Mietmarkt?

Eingriffe schaffen Rechtsunsicherheit. Internationale Investoren werden vorsichtig, weil sie fürchten, dass noch mehr reguliert wird. Genau das ist das Problem: Wenn man nicht planbar wirtschaften kann, wird Investition unmöglich.

Was macht dich persönlich zuversichtlich, dass wir die Herausforderungen der Zeit meistern können?

Meine Erfahrung zeigt: Wer sich aktiv um die Dinge kümmert, kommt weiter. Bewusstes, engagiertes Handeln führt zu Verbesserung. Man kann Dinge sofort ändern. Die aktuelle politische Entwicklung zeigt das eindrücklich. Und das deckt sich mit meiner persönlichen Erfahrung: Ich bin hinter der Mauer in Ost-Berlin großgeworden. Da hat sich über Nacht eine Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Die meisten Probleme waren praktisch über Nacht gelöst. Das ist meine tiefste Überzeugung: Man kann Dinge sehr schnell, sehr grundlegend anders machen.

Wenn wir konkret in die Zukunft blicken: Wo siehst du für Österreich das größte Potential?

Ich bin überzeugt, dass man insbesondere in Österreich unmittelbar und nachhaltig Wachstumskräfte freisetzen kann. Und da spreche ich natürlich von meinem Bereich, dem Kapitalmarkt. Im Vergleich zu anderen hochentwickelten Ländern liegt hier noch enormes Potential brach.

Da schlummert eine nicht aktivierte Wachstumsreserve. Es müssen mittlerweile 350 Milliarden sein, die niedrig verzinst auf Konten liegen. Wenn nur ein kleinster Teil davon in den wirtschaftlichen Kern aktiviert würde, sprechen wir hier von gigantischem Potential. Die Maßnahmen sind bekannt: Kleinste Teile aus dem Pensionsumlageverfahren an den Kapitalmarkt lenken, Ausbau betrieblicher Altersversorgung, ein steuererleichtertes Investitionskonto, ein Staatsfonds. Die Modelle sind alle da. Man muss es nur machen. 

Und wir haben alle Voraussetzungen: gebildete Leute, tolles Unternehmertum. Was wir brauchen, ist Wille. Am Anfang steht immer der Wille.

Zum Abschluss: Was möchtest du den Menschen mitgeben?

Mut und Fleiß. Es ist meine tiefe Lebenserfahrung: Sich aktiv zu engagieren, macht immer Sinn. Wenn man die Dinge bewusst managt, wird es immer besser. Und wer sich zu dieser Haltung entscheidet, wird nicht nur erfolgreich sein, sondern auch positiv für die Gesellschaft wirken.

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